Kloster erhält Relief als Kopie zurück

Die Kopie eines vor rund 300 Jahren aus Sandstein gehauenen religiösen Reliefs von der respektablen Größe von 1,20 mal 1,20 Meter erinnert jetzt am Dieburger Kapuzinerkloster an den Leidensweg Jesu. Die städtischen Arbeiter Manfred Witzel, Günter Huther und Manfred Seibert mauerten am Mittwoch das 300 Kilo schwere Relief in die Mauer zum Klostergarten mit Blick in Richtung Klostereingang und damit auch in Richtung Parkplatz und zur Ortsdurchfahrt „Im Minnefeld“ ein. Sie hatten zuvor mit einem Lastwagen das Relief aus der Werkstatt des Restaurators Hans-Michael Hangleiter (Otzberg) abgeholt und behandelten es behutsam wie Porzellan, als sie es von der Ladefläche an seinen Bestimmungsort hievten.

Bruder Paulus, der neue Guardian der Dieburger Kapuziner eilte herbei. Und Anne Sattig, die Vorsitzende des Dieburger Heimatvereins, deren Initiative es wesentlich zu verdanken ist, dass es zur Rettungs- und Spendenaktion kam, war ebenfalls zur Stelle. Auf Einladung des Heimatvereins und des Dieburger Odenwaldklubs soll die Relief-Kopie am Ostermontag um 15.30 Uhr bei einer Feier geweiht werden, zu der die Bevölkerung eingeladen ist.

Der Odenwaldklub Dieburg mit seinem Vorsitzenden Franz Zoth und Mitarbeiter des Dieburger Heimatvereins waren an der „Entdeckung“ des rund 300 Jahre alten Originals, das einen Fußfall von Jesus vor dem Hohenpriester Kajaphas zeigt, im vergangenen Herbst beteiligt. Sie fällten damals im Klostergarten einen zu mächtigen Baum, der nahe an einer Mauer stand. Verdeckt hinter den Zweigen fand sich das Relief, das schon starke Verwitterungsspuren zeigte, so dass Anne Sattig alle Hebel in Bewegung setzte, um es vor dem Verfall zu retten. Sie kurbelte auch eine Spendenaktion an, fand Sponsoren. Das Original wurde zum Restaurieren in die Otzberger Werkstatt geschafft. Es soll nach Abschluss der Arbeiten im Dieburger Fechenbachschloss in das neue Kreis- und Stadtmuseum verbracht werden. Als Sofortmaßnahme wurde aber in der Werkstatt Hangleiter eine Kopie gefertigt, die täuschend echt aussieht, allerdings ohne die Moose und Flechten des Originals.

Die Kopie ist nach einem „Geheimrezept“ des Restaurators aus Sand und anderen Materialien gefertigt, gilt als wetterfest, soll aber trotzdem mit einem kleinen Dach geschützt werden. Seitlich davon werden zwei Tafeln angebracht. Eine davon soll eine Erläuterung zum Relief bieten, die andere Namen von Helfern und Spendern nennen, die die Restaurierung ermöglicht haben. Die Anfertigung der Kopie und die Restaurierung des Originals werden um die 8000 Euro kosten, so Sattig.

Bruder Paulus erinnerte, dass Bilder, Skulpturen und Statuen in einer Zeit, als Lesen und Schreiben noch nicht Allgemeingut waren, den einfachen Menschen zur Vermittlung von Glaubens-Botschaften dienten. Der Dieburger Heimatforscher Hans Dörr hat herausgefunden, dass das Original-Relief vermutlich um das Jahr 1700 vom Aschaffenburger Bildhauer Wermerskirch geschaffen wurde, das ein Gönner den Kapuzinern vermachte.